Desktop-Junkies aufgepasst!

Ich gestehe! Ich bin wohl einer der größten Desktop-Junkies weit und breit. Sie wissen nicht was ein „Desktop-Junkie“ sein soll? Nun, jemand der nicht genügend Bildschirmfläche kriegen kann, jemand der ständig auf der Suche nach Optionen für noch mehr Desktop-Platz und noch mehr gleichzeitigen Monitoren ist – eben ein notorischer Desktop-Süchtiger!

In diesem Sinne möchte ich meine Leserinnen und Leser an meiner Obsession teilhaben lassen und einige mögliche Therapien vorstellen, die ich in den letzten Monaten ausprobiert habe.

Warum eigentlich mehr Desktop-Platz?

Nun, jeder hauptberufliche Bildschirmwerker kennt wohl das Dilemma: 1001 Applikationen gleichzeitig geöffnet und alle streiten sich um den beschränkten Platz auf dem Screen. Nahezu pausenloses Umschalten zwischen den Programmen und trotzdem (oder gerade deswegen) kaum Übersicht auf dem Desktop. Und dabei werden doch so häufig zwei oder mehr Anwendungen gleichzeitig benötigt – beispielsweise wenn Sie Texte oder Inhalte aus einer Textverarbeitung in eine Layout-Anwendung kopieren wollen oder einfach nur um den Email-Client jederzeit in Sicht- und Griffweite zu haben. Auch auf sehr großen Screens (vielleicht mal abgesehen von der aktuellen Königsklasse der 30-Zoller) ist das Arbeiten mir mehreren, parallel geöffneten Anwendungen kein so rechtes Zuckerschlecken. Die Lösung ist schnell ins Auge gefasst: Mehr Screens müssen her!

Die „Einsteiger-Lösung“ – Das Dual Screen Setup

Einen zweiten Screen an Ihrem Arbeitsrechner zu betreiben ist heutzutage keine Rocket-Science mehr. Die meisten der aktuellen Grafikkarten bieten bereits zwei Ausgänge für 2 separat anzusteuernde Screens. (Im Zweifelsfalle sollten Sie vor Anschaffung eines zweiten Monitors das Handbuch der Grafikkarte konsultieren, bzw. ein schneller Blick auf die Rückseite Ihres Rechners tuts meist auch). Zu überlegen wäre im Vorfeld noch, ob Sie zwei gleiche Screens (bzw. gleich große Screens), oder lieber ein Primär/Sekundär-Setup bevorzugen. (Ein großer Screen als primäre Arbeitsfläche und ein ggf. kleinerer Screen als sekundärer Monitor). Ich persönlich bevorzuge zweitere Variante, da der primäre Screen dabei meist frontal im Blickfeld angeordnet sein kann und der sekundäre Monitor durch einen leichten Blick nach links (oder rechts – was Sie bevorzugen) beäugt werden kann. Ob eine „symmetrische“ Aufstellung (beide Screens „frontal“ im Blickfeld) für Sie eine passable Lösung ist, sollten Sie ggf. vorher auch noch durchdenken. Ich persönlich konnte mich mit einem solchen Setup nicht anfreunden.

Die „Junkie-Lösung“ – Drei- und Mehr-Screen Setups

Wenn Ihnen (so wie mir) zwei Screens nicht ausreichen, stoßen Sie meist an die Grenzen der Möglichkeiten auch aktueller Grafikkarten. Eine nahe liegende (aber eher aufwändige) Lösung wäre, eine zweite Grafikkarte in Ihren Arbeitsrechner zu stecken – eine Lösung, die ich nicht unbedingt empfehlen würde (Rechner aufschrauben, gesteigerter Stromverbrauch, Steckplatz belegt, Treiberprobleme?, etc.)

Ich habe mich daher auf die Suche nach alternativen Lösungen für die Realisierung von Mehr-Screen Setups begeben und zwei sehr praktikable Varianten ausprobiert.

Variante A – „Gaukle einen Very-Wide-Screen vor!”

Matrox TripleHead2Go
Für diese Variante benötigen Sie eine kleine aber feine externe Box – die Matrox TripleHead ToGo. Dieses kleine Helferlein wird einerseits mit einem der DVI Ausgänge ihrer Grafikkarte verbunden und auf der anderen Seite mit bis zu 3 Screens (bis zu einer Auflösung von 1680 x 1050 pro Screen mit DUAL-LINK DVI). Das Betriebssystem erkennt die Matrox-Box und behandelt diese wie einen „Very-Wide-Screen“, also so, als ob die 3 verbundenen Monitore ein sehr breiter Screen wären. Und damit die 3 Screens dennoch eine gewisse Eigenständigkeit behalten, werden durch die Treibersoftware der Matrox-Box bestimmte Aktionen (z.B. Fenster auf Bildschirmgröße maximieren) richtig interpretiert und umgesetzt.

Fazit:
In Summe eine durchaus praktikable und stimmige Lösung mit der sich (pro Ausgang Ihrer Grafikkarte) bis zu 3 Monitore integrieren lassen. Nachteilig macht sich bemerkbar, dass die 3 Screens aus nahe liegenden Gründen mit der gleichen Auflösung betrieben werden müssen. Heterogene Screen-Mischungen sind damit ebenso wenig möglich, wie das „physische“ Aufteilen der 3 Screens (beispielsweise 2 links und einen rechts von Ihrem Main-Screen).

Links:
Matrox TripleHead2Go Product Site

Variante B – „Nutze USB für den Anschluss!“

USB DVI Technologie von DisplayLink
Diese Variante (auf der mein aktuelles Setup beruht) geht die Sache etwas anders an: Eine kleine, unscheinbare Box wird per USB mit dem Rechner verbunden und auf der anderen Seite per normalem DVI Kabel mit einem Screen. (bis zu einer Auflösung von 1600×1200). Sie können damit (neben den Monitoren die direkt mit Ihrer Grafikkarte verbunden sind), üblicherweise bis zu 6 weitere Displays per USB verbinden, wobei Sie pro Screen eine weitere USB-DVI Box benötigen. Eine schlaue Treibersoftware besorgt den Rest.

Fazit:
Eine sehr interessante Lösung, bei der Ihrer Kreativität fast keine Grenzen gesetzt sind. Verschiedenste Größen und Auflösungen in verschiedenen physischen Aufstellungen lassen sich damit einfach kombinieren. Gegebenfalls nachteilig könnten sich aber die eingeschränkten Möglichkeiten der 3D-Darstellung auswirken, sowie durch die Kompression/Dekrompression der Daten verursachte Qualitätseinbußen (insbesondere bei Videos oder anderen sich schnell ändernden Bildschirminhalten). Mehr-Monitor-Junkies, die beabsichtigen auf sekundären Monitoren 3D-Anwendungen, Grafik-Anwendungen oder Spiele zu betreiben, seien also gewarnt. Für übliche Office-Anwendungen (Email, Textverarbeitung, Browser, FTP, Chat, etc.) reichts aber alle Mal!

Links:
Display Link - USB/DVI Technology

Fazit
Beide Lösungen haben Ihr Für- und Wider und schlagen beim Anschluss von 3 zusätzlichen Displays auch beide in etwa mit 250-300 Euro zu Buche. Welcher Lösung Sie den Vorzug geben, hängt in erster Linie von Ihren persönlichen Anforderungen ab. Sollten Ihnen die Genauigkeit, Farbtreue und Qualität der Darstellung als Muss-Kriterien am Herzen liegen, so würde ich eher zur Matrox-Lösung raten. Wenn die Flexibilität bzgl. Aufstellungsvarianten und Intgeration unterschiedlicher Displays ganz vorne auf Ihrer Prioritätenliste steht, dann sollten Sie eher zur USB/DVI Lösung von DisplayLink greifen.

In beiden Fällen machen Sie aber grundlegend nichts verkehrt, wenn Sie auf der Suche nach mehr und noch mehr Desktop-Platz sind. Welcome to the Desktop-Junkies! ;)

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