Zwei Jahre SATZWERKSTATT!

2 Jahre SATZWERKSTATT
Vor fast exakt zwei Jahren habe ich meinen Gewerbeschein bei der Wiener Wirtschaftskammer gelöst und am 01.09.2005 hat die SATZWERKSTATT offiziell die Agenturpforten geöffnet. Nun liegen zwei Jahre Selbständigkeit hinter mir: Zwei Jahre die kaum interessanter, lehrreicher und vielfältiger hätten sein können. Zwei Jahre die geprägt waren von oft harter Aufbauarbeit, aber auch von vielen Erfolgsmomenten, vielen neuen, interessanten und sehr netten Menschen, die meinen Weg begleitet haben und von vielen neuen Erkenntnissen und Erfahrungen. Zeit also ein Resumé zu ziehen, wie ich meine…

Meine zehn Lektionen aus den ersten beiden Jahren (in keiner speziellen Reihung):

#1 - Networking ist ALLES!

Ohne alte und neue Kontakte geht nichts – schon gar nicht in ziemlich gesättigten Branchen, wie dem graphischen Gewerbe! Ohne Mundpropaganda und Empfehlungen hätte ich wohl sehr, sehr viel weniger Kunden und Projekte in den ersten beiden Jahren gewinnen können. Daher: Jede Gelegenheit zum Kontakte knüpfen nutzen und keinesfalls Zeit und Geld für aufwändige Kaltakquise verschwenden, solange nicht ALLE bestehenden Kontaktmöglichkeiten ausgeschöpft sind!

#2 - Auf den Bauch vertrauen!

Klar, große und finanziell attraktive Projekte klingen verführerisch! Aber gerade bei diesen Projekten liegen die Schlangengruben manchmal im Detail und gut versteckt. Oft zu gut versteckt, um rational und analytisch klar dingfest gemacht werden zu können. Wer kennt das nicht: Im Prinzip klingt alles wunderbar, aber irgendwie lässt einen ein beklemmendes Gefühl nicht los. Es ist etwas faul im Staate Dänemark, möchte man teilweise sagen, aber was? Meine Devise: Nicht zu lange drüber nachdenken, und wieder mehr auf die eigene Intuition vertrauen! Wenn es stinkt, dann Finger weg! Auch andere Mütter haben schöne Töchter…

#3 - Charity-Projekte gut überlegen!

Ein schwieriges und komplexes Thema, soviel vorweg! Einerseits ist man immer bemüht, insbesondere langjährigen Bekannten oder sogar Freunden für wenig bis gar keine finanzielle Abgeltung bei „Charity-Projekten“ unter die Arme zu greifen – und auch die positiven Networking Effekte können oft sehr verführerisch klingen. Andererseits können solche Projekte doch ziemlich ausufern und ohne finanzielle und terminliche Bewertung ist Tür und Tor geöffnet für endlose Revisionen, Änderungen, Anpassungen und Meetings. Also, mein Rat: Vorher wirklich gut überlegen und Vor- und Nachteile klar abwägen, bevor man dieses Abenteuer wagt!

#4 - Nicht kleinlich sein!

Auch das werden viele aus eigener Erfahrung kennen: Der Kostenvorschlag ist mit dem neuen Kunden akkordiert, alle Rahmenbedingungen vereinbart, das Projekt ist gestartet und die ersten Ergebnisse liegen vor. Zeit für ein erstes Feedback! Aber einiges passt dann doch nicht so ganz mit den Vorstellungen des Kunden überein: Eine Änderung da, eine andere dort! Und überhaupt: Das sollte doch in dem und jenem Bereich ganz anders aussehen, oder? Nun, ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in solchen Situationen wenig bis gar nicht hilfreich ist, sofort auf die geschriebenen oder mündlichen Vereinbarungen zu pochen. (auch wenn der Designer „im Recht“ ist…). Dies schafft oftmals nur Irritationen während inhaltlich heißer Phasen. Mein Motto: Solange die Abweichungen im erträglichen Rahmen liegen, ist mir ein zufriedener Kunde wichtiger als die kurzfristige Maximierung meines Deckungsbeitrages!

#5 - ALLES qualitätssichern!

Fehler passieren! Oft und genug und bei jeder Tätigkeit und Leistung. Daher: ALLES was das eigene Büro oder die eigene Agentur verlässt immer und jedenfalls vorher qualitätssichern. Auch eine Rechnung oder ein informelles Email ist eine Visitenkarte und ein Aushängeschild einer Organisation, und Kunden lieben es leider so gar nicht, wenn diese vor Tippfehlern nur so überschäumen.

#6 - Terminzusagen einhalten!

Auch wenn die Zeit für eine gewisse Tätigkeit, ein bestimmtes Ergebnis oder sogar ein finales Produkt anfangs noch großzügig dimensioniert erscheint - der Termin rückt immer schneller näher als gedacht! Und Unvorhergesehenes passiert mit Sicherheit – vielleicht nicht unbedingt beim betrachteten Projekt – aber dann sicher in einem der 5 anderen, parallel laufenden Projekte! Daher: Termine immer versuchen mit einem gewissen Sicherheitspolster zu vereinbaren, damit jede Zusage auch sicher eingehalten werden kann. Nur wenig erschüttert das Kundenvertrauen mehr als nicht eingehaltene Versprechungen! Und kein Kunde ist traurig, wenn etwas dann doch ein klein wenig schneller als geplant realisiert werden kann…

#7 - Organisiert werden und bleiben!

Die Flut an kleinen und großen Informationsbrocken die tagtäglich zu filtern, zu bedenken, abzuarbeiten und deren Ergebnisse verwaltet und kommuniziert werden wollen, ist nicht zu unterschätzen. Ein möglichst einfaches und praktikables, aber dabei flexibles und dennoch geordnetes System muss her! Ich persönlich habe in den letzen Jahren dabei zu einer Art „Semi-Strukturiertheit“ gefunden: ToDos werden mittels basecamp verwaltet, eine sinnig strukturierte und einfache Zeiterfassung läuft über bemite, und was an Papierinformationen unbedingt notwendig ist wird in einfachen Flügelmappen mit der Beschriftungen des Kunden und des Projektes verwahrt. Für die Fileablage noch eine möglichst einfache und einheitliche Struktur pro Kunde und Projekt – und fertig ist die semi-strukturierte Ablageorganisation! Weder zu lose und chaotisch, noch zu strikt und rigide!

#8 - Weiterbildung nicht vergessen!

Auch wenn das operative Geschäft einem mehr als genug zu tun beschert – der Blick über den Tellerrand des gerade erforderlichen ist jedenfalls anzuraten. Ich gönne mir diesbezüglich schon mal auch leicht „branchenfremde“ Fachliteratur oder auch eine „Learning-Halbstunde“ pro Tag, während derer ich versuche mich bewusst mit etwas neuem zu beschäftigen: Sei es das erste Hineinschnuppern in neue Technologien, das spielerische Erkunden noch unentdeckter Programmfeatures oder das Just-For-Fun-Ausprobieren eines noch nicht beschrittenen Design-Pfades…

#9 - Buchhaltung sofort erledigen!

Klingt nicht sehr spannend und aufregend, zugegeben! Aber es hilft enorm! Wenn sich die Belege nicht bis zum Monats- oder Quartalsende stapeln, sondern sofort beim Anfallen bearbeitet werden, dann reduziert sich der gefühlte Gesamtaufwand für die Einnahmen/Ausgabenrechnung gegen Null! 3-4 Minuten pro Beleg sind wahrhaft auch zwischendurch mal zu schaffen!

#10 - In die beste leistbare Ausrüstung investieren!

Wer gute Tische machen will, braucht scharfe Hobel! Wer große Fische fangen will, eine hochwertige Angel! Und wer mit Gestaltung und deren Realisierung mittels IT seine Brötchen verdienen will, der braucht hochwertige Screens, vernünftige Rechenpower, TOP-Software, durchdachte Backupkomponenten uvm. in der täglichen Werkzeugkiste. Daher mein Rat: Nicht am falschen Ende sparen – jeder investierte Euro in vernünftige Infrastruktur erhöht nicht nur die Produktivität sondern auch ganz wesentlich die Freude an der Arbeit!

So bleibt mir nur zu wünschen, dass die nächsten beiden Jahre der SATZWERKSTATT mindestens genauso vielfältig, ereignisreich und lehrreich sein werden und ich möchte allen meinen Kunden, Partnern, Freunden und Weggefährten ein herzliches Dankeschön für das entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit und Unterstützung aussprechen! Wir sehen uns wieder beim nächsten Projekt!

Herzlichst, Euer Satzwerker!

Foto: Philippe Ramakers via stockexchange

2 Reaktionen zu “Zwei Jahre SATZWERKSTATT!”

  1. Basil

    Glückwunsch zum Zweijährigen und herzlichen Dank für die Tipps! Für einen Selbstständigkeits-Anfänger wie mich sehr nützlich! :)

  2. chris

    @Basil: Herzlichen Dank für die Glückwünsche! Freut mich sehr, dass meine Gedanken auch für jemand anderen nützlich sein können. Alles Gute auch für den weiteren Auf- und Ausbau Deines Business!
    chris

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